Digitalisierung, Beschleunigung und lebenslanges Lernen: nur eine Frage der Einstellung?

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„Es ist schlimm genug“, rief Eduard, „dass man jetzt nichts mehr für sein ganzes Leben lernen kann. Unsere Vorfahren hielten sich an den Unterricht, den sie in ihrer Jugend empfangen; wir aber müssen jetzt alle fünf Jahre umlernen.“

Ähnliche Aussagen tönen uns regelmäßig aus dem persönlichen Umfeld, den sozialen Netzwerken und diversen Talkshows entgegen.

Ist unsere moderne Welt wirklich so überladen mit Stress, wie wir das glauben?

Klar ist: Das Internet bietet zahlreiche Möglichkeiten, die noch vor fünfzig Jahren undenkbar schienen. Meine Großmutter wuchs ohne Telefon, Computer und Auto auf. Sie lebte abgelegen auf einem Bauernhof im bayerischen Alpenvorland.

Mit 80 Jahren – im Jahr 2001 – trug sie erstmalig ein Hörgerät. Auch ihr Leben war gefüllt mit technischem Fortschritt, Veränderung und Stress. Sie schulterte damals zusätzlich die Last, fünf Geschwister durch Krieg und Krankheit verloren zu haben.

Eine Freundin ist Lehrerin, stammt ebenfalls aus der Landwirtschaft und steht kurz vor der Pension. Sie erzählte mir eine aus heutiger Sicht beinahe skurrile Begebenheit: Im Alter von etwa zehn Jahren hatte ihr Vater ihr erklärt, dass Italien hinter dem Untersberg läge. Viele Jahre behielt sie diesen Glauben.

Auf einem Schulausflug erfuhr sie schließlich, dass hinter dem besagten Berg keine Italiener, sondern Salzburger wohnten.

Heute surft sie im World Wide Web innerhalb von Sekunden von einem Ende der Welt zum anderen. Welche Dimensionen liegen zwischen den beiden Erlebnissen!

Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung

Östliche Weisheitslehren wie Buddhismus oder Taoismus betonen diese Tatsache seit mehr als zweitausend Jahren. Für den Buddhismus liegt hier sogar die Quelle intensiven Leids: Wenn ein Mensch der Illusion unterliegt, er könne im Leben etwas festhalten, wird er jedes mal tief enttäuscht.

Das Leben ist nicht immer leicht. Jede Generation hat ihr Päckchen zu tragen, jede Zeit hat ihre eigene Qualität.

Es tut gut, sich immer wieder vor Augen zu halten, wie viele positive Aspekte und Chancen in unserer modernen Zeit liegen – und dass die Welt so schnell nicht untergeht.

Zum Schluss ein kleines Quiz: Wann hat Eduard die Sätze wohl von sich gegeben? Die Antwort finden Sie unter dem Bild.

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Veränderung ist der Normalfall.

 

 

 

 

 

 

Der Ausspruch ist ein Zitat aus J. W. v. Goethe (1809): Die Wahlverwandtschaften. Gefunden in: Peter Müller (2016): Einstieg in CSS. Rheinwerk Computing.

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